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Kärntner Krone
 Kärntner Krone
 Sonntag, 13.Mai 2007 / Seite 42-43


Kärntner Krone

Auf den Spuren der „lebenden Photographien
Seit Jahren erforscht der Kärntner Filmhistoriker und ORF-Mitarbeiter Klaus Pertl die Anfänge des Kinos in Klagenfurt. Gemeinsam mit einem Kollegen bereitet er eine große Ausstellung vor.

VON MARTIN RADINGER

Seit seinem Studium an der Klagenfurter Uni ist Klaus Pertl fasziniert von jener Zeit, „als die Bilder laufen lernten.“ Schon vor zehn Jahren hat er begonnen, seine Forschungsergebnisse in einer eigenen Homepage zu veröffentlichen, die er bescheiden „Kleine Klagenfurter Kinogeschichte“ nennt: www.kinogeschichte.at

 Pertl: „Viel Wissenswertes habe ich aus alten Zeitungsberichten erfahren.“ So kann er dokumentieren, dass knapp ein Jahr, nachdem die Brüder Lumiére in Paris die ersten Filme gezeigt haben, in Klagenfurt die „lebenden Photographien“ vorgestellt worden sind: Am 27. November 1986 wurde in Inseraten für die erste Kinovorführung im Hotel „Sandwirt“ geworben.

 Pertl: „Filme, oder ’Films’, wie sie damals genannt worden sind, waren anfangs eigentlich Schaubuden-Attraktionen und wurden als neue technische Sensationen angepriesen.“

 Bald folgten erste Spielfilme, auch viele mit „pikantem Inhalt“, die bei „Pariser Abenden“ vorgeführt worden sind. Pertl: „Im Gegensatz zu vielen anderen Städten durften bei uns auch die Frauen dabei zusehen.“ Im September 1899, hat Pertl herausgefunden, wurde in Kärnten der erste Film gedreht, faktisch ein Dokumentarfilm. Und zwar von Johann Bläser, der mit seinem „Bioskop“, einem Wanderkino, in Klagenfurt Station gemacht hatte. Pertl: „Bläser hatte eine Filmkamera dabei und hat damit am Hauptbahnhof die Ankunft von Kaiser Franz Joseph und Erzherzog Franz Ferdinand aufgenommen.“

 Dieser Film ist leider verschollen. In der Ausstellung wird aber der älteste erhaltene Kärntner Film gezeigt, hergestellt vom Kinopionier Hermann Prechtl, datiert mit 29. Juli 1911. Er dokumentiert den Besuch von Erzherzog Karl auf der Landes-Handwerker-Ausstellung.

 Pertl: „Zu diesem etwa vier Minuten langen Film spielt das Kärntner Symphonieblasorchester eine eigene Musik.“

 Die Kino-Ausstellung, die Pertl gemeinsam mit seinem ORF-Kollegen Kurt Distlberger gestaltet, wird im Juni im alten Sendegebäude am Lendkanal eröffnet. Wer zufällig noch alte Film-Plakate, -Fotos oder -Programme hat möge sich bei Klaus Pertl melden.



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