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 Die Ermordung des Herzogs von Guise
  Weihnachtsprogramm des Jahres 1908 im Klagenfurter Reform-Kinematographen

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Die Ermordung des Herzogs von Guise Die Ermordung des Herzogs von Guise, Frankreich, 1908

Die Ermordung des Herzogs von Guise Französisches Originalplakat

In Paris präsentierte im November 1908 die eben erst gegründete Gesellschaft Le Film d'Art ihr erstes Werk „Die Ermordung des Herzogs von Guise“. Die Hauptdarsteller waren Schauspieler der Comédie française, das Drehbuch schrieb der Dramatiker Henri Lavedan und die - erstmals eigens komponierte - Filmmusik stammte von Camille Saint-Saëns. Dieser Film, der für die Geschichte des Kinos von großer Bedeutung ist, strebt danach, das Kino im Namen der „Kunst“ zu rehabilitieren, wie es Siegfried Kracauer in seiner „Theorie des Films“ beschreibt.

„Die Ermordung des Herzogs von Guise“ wurde - ein Monat nach der Premiere in Paris - im Klagenfurter-Reform-Kinematographen im Weihnachtsprogramm des Jahres 1908 gezeigt. Damit war es Hermann Prechtl gelungen das Eröffnungsjahr seines Kinos mit einer Sensation zu beenden.


(Die Kunst in der Kinematographie.) Der erste Kunstfilm wird im Etablissement Prechtl diese Woche gezeigt. Der Besuch ist ein überaus reger und zeigt, wie nachhaltig die Kinematographie wirkt und wie die Besucher es dankbar anerkennen, wenn groß angelegte Stücke dieselben zu fesseln und belehren vermögen. Legte man anfänglich den Wert auf leichtere Unterhaltung und nahm es mit dem Gange der Handlung nicht so genau, wenn nur die beabsichtige Wirkung erzielt wurde, so sind jetzt hervorragende Dichter und Akademiker herangezogen, die aus der Geschichte packende Begebenheiten ihrem Verlaufe nach wahrheitsgetreu bearbeitet und für Kinematographie eingerichtet haben. Die bedeutendsten Schauspieler von Weltruf wurden für die Darstellung gewonnen, so daß derartige Films künstlerisch das Vollendetste bieten, was bisher gezeigt wurde. Die Films selbst füllen ein volles Programm aus. Sie sind in Akte zerlegt, die es dem Publikum gestatten, das Gesehene in der Pause zu verarbeiten und das Kommende mit Spannung zu erwarten.

Von den kürzlich erschienenen Stücken steht mit Bezug auf Eigenart „Die Ermordung des Herzogs von Guise“ in fünf Bildern obenan, welches Bild von Schauspielern ersten Ranges dargestellt wird. Sie erheben die Kinematographie auf eine Stufe, die jedem Widersacher dieser Darbietungen die höchste Achtung abnötigt. Mit großen Opfern hat nun Prechtl diesen Film für Klagenfurt erworben und ist es tatsächlich der Mühe wert, sich die Leistungen erstklassiger Schauspieler in dieser Art anzusehen. ()

Klagenfurter Zeitung, Nr. 297, 25. Dezember 1908, Seite 3093


DIE ERMORDUNG DES DUC DE GUISE strebte danach, das Kino im Namen der „Kunst“ zu rehabilitieren. Und da seine Hersteller mit den Traditionen des Theaters erfüllt waren, glaubten sie natürlich, das Kino müsse, um Kunst zu sein, dieselbe Richtung wie das Theater verfolgen. Beachtenswert ist immerhin, daß sich im DUC DE GUISE ungeachtet seiner Theaterhaftigkeit ein gewisses Gefühl für die Unterschiede zwischen den beiden Medien bemerkbar macht. Jedenfalls ist die sprunghafte Folge isolierter „lebender Bilder“, wie es damals üblich war, hier von einer Art bildlicher Kontinuität abgelöst, die auch ohne lange Zwischentitel verstanden werden kann. Außerdem entfernen sich die Schauspieler dadurch von den Konventionen der Bühne, daß sie ihre Charaktere durchdetaillieren und mit einem Minimum an Gesten spielen.

Siegfried Kracauer: Theorie des Films, Frankfurt am Main 1964



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