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Neue Medien in alter Zeit

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Video, Internet und CD-ROM sind zu einer Selbstverständlichkeit im modernen Unterrichtsgeschehen geworden. Dass „Neue Medien“ auch schon vor mehr als 80 Jahren ein Thema waren, sollen die folgenden Zitate belegen. Auf dieser Seite finden Sie die Artikel „Schulkino“ und „Die bauliche Ausgestaltung der Anstalt“ von Julius Heinzel, aus dem 72. Jahresbericht des Bundes- und Realgymnasiums - heute Europagymnasium - in Klagenfurt des Jahre 1930 und ein Bericht des Klagenfurter Tagblattes. Das Schulkino war jedoch nicht dem Gymnasium in der Landeshauptstadt vorbehalten, auch in den Landschulen wurde der Film im Unterricht eingesetzt, wie ein Beispiel aus Möllbrücke aus dem Jahre 1928 zeigt.




Schulkino

Festsaal - einst und heute Festsaal - Anfang der 30er Jahre und heute

Durch den Ausbau des Fest- und Kapellensaales wurde es möglich, einen lang gehegten Plan zu verwirklichen: die Einrichtung eines Schulkinos. Daß das Laufbild ein sehr wichtiges und manchmal sogar unentbehrliches Lehrmittel ist, dürfte gegenwärtig kaum mehr angefochten werden. Zur Erörterung steht vielmehr die Frage, ob Großkino oder Kleinkino (Klassenkino). Es ist ziemlich einleuchtend, daß das Klassenkino die pädagogische Auswertung des Laufbildes besser ermöglicht als das Großkino. Da ersteres aber das Vorhandensein unverbrennbarer Unterrichtsfilme voraussetzt, diese aber nur in ganz geringer Zahl vorhanden sind, so kam nur das Großkino in Betracht. Durch das Entgegenkommen der Bundesministerien für Unterricht, Handel und Verkehr und Finanzen konnte der Saal so eingerichtet werden, daß er allen einschlägigen Anforderungen in technischer, polizeilicher und pädagogischer Hinsicht entspricht. Die moderne Zeiß-Ikon-Maschine wurde aus Spenden der Elternvereinigung und sonstigen Geldsammlungen angeschafft. Unser Anstalt ist Mitglied des Schulkino-Bundes und bezieht durch diesen die Filme (vorwiegend Urania-Filme). Die Leitung des Schulkinos obliegt dem Berichterstatter, die Filme werden von Prof. Hans Schatowitz vorgeführt, der die staatliche Prüfung als Bildwurfmeister abgelegt hat.

Die Vorführungen werden auch von den anderen Schulen von Klagenfurt besucht (Bundes-Realschule, Lehrerbildungsanstalt, Handels-Akademie, Mädchen-Realgymnasium und Lehrerinnen-Bildungsanstalt der Ursulinen, Schulen des Frauen-Erwerb-Vereines, Ackerbauschule, Hauptschule-Ost, Hauptschule-West u.a.).

Es fanden folgende Vorführungen statt:
1. Am 15.Februar (1930) „Die Wunder Asiens“.
2. Am 26., 27., und 28. Februar „Der Antlasritt in Tirol“ (aus dem Uraniafilm „Der Kilometerfresser“), „Der pythagoräische Lehrsatz“, „New York“, „Die geschichtliche Bedeutung des Rheins“ (aus dem Kulturfilm „Der Rhein“), „Giraffen und Zebras“ (aus dem Film „Afrikanische Jagdabenteuer“), „Knospen und Blüten“, „Ausbruch des Aetna“, „London“, „Arlbergschule“.
3. Am 26., 27. und 28. März „Durch das Salzkammergut und Dachsteingebiet im Winter“, „Allerhand Sport in Amerika“, „Abenteuer in den Lüften“.
4. Am 20., 21., und 22. Mai „Die Bremen“.
5. Am 16., 17., und 18. Juni „Holzflößerei im Mölltale“, „Silberkondor über Feuerland.“

Jede dieser Veranstaltungen war durchschnittlich von 2000 Schülern besucht. Für die Eltern der Schüler, die Lehrkörper der Klagenfurter Schulen und die Freunde der Anstalt wurden die Filme in Abendvorstellungen vorgeführt.

Der Berichterstatter hielt am 26. und 27. Februar (1930) für die Elternvereinigung, bzw. die Lehrer der Schulen in Klagenfurt einen Vortrag über das Thema „Die Verwendung des Laufbildes als Lehrmittel.“ Als Beispiel wurden die unter 2. angeführten Filme gezeigt. Die Vorführungen bilden eine wertvolle Ergänzung des Unterrichtes und finden bei Schülern und Erwachsenen großen Anklang.

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Die bauliche Ausgestaltung der Anstalt.


Der vergrößerte Fest- und Kapellensaal bildet das Glanzstück der Anstalt. Hier war zunächst eine schwierige Frage zu lösen. An eine Änderung in der bisherigen Verwendung des Saales als Festraum und als Raum für den Schulgottesdienst konnte natürlich nicht gedacht werden. Neu hinzu kam die Verwendung als Schulkino. Seit Jahren habe ich mich bemüht, in unserer Schule die Verwendung des Films als Lehrmittel zu ermöglichen. Der Neubau bot Gelegenheit zur Verwirklichung. Nur bestand die Schwierigkeit, wie derselbe Saal für den Gottesdienst und für Kinovorführungen verwendbar gemacht werden könnte. Ich glaube behaupten zu können, daß die Frage restlos gelöst ist. Der neu hergerichtete schöne Altar ist in einer geräumigen, gewölbten Nische untergebracht, die durch einen Vorhang aus doppelter Leinwand, welcher der in lebhaften, aber doch feierlichen Farben gehaltenen Architektur des Saales vollkommen angepaßt ist, von dem Saale vollständig abgesperrt werden kann. Vor diese Absperrungsvorrichtung kann die Projektionsleinwand herabgelassen werden. Die Bänke sind so konstruiert, daß sie den drei verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Saales entsprechen. Es sind 406 Sitzplätze vorhanden. Die Fenster besitzen Verdunkelungseinrichtungen, so daß Steh- und Laufbildervorführungen jederzeit möglich sind. (...) Die Projektionskammer, die eine große Zeiß-Ikon-Maschine mit allem Zubehör enthält, ist vom Saale vollständig getrennt.



Heinzel, Julius:
Schulkino. Seite 67-68.
Die bauliche Ausgestaltung der Anstalt. Seite 45.
in: 72. Jahresbericht des Bundesgymnasiums und Realgymnasiums in Klagenfurt, herausgegeben am Schlusse des Schuljahres 1929-1930 zur Zehnjahrfeier der Volksabstimmung in Kärnten. Im Selbstverlag der Anstalt.



Elternvereinsabend am Bundesgymnasium. (...) Der größte Teil des Abendes war ausgefüllt mit der Vorführung mehrerer Lehrfilme: Stadtbild und Leben von Neuyork und London, der Rhein in der Geschichte, afrikanisches Tierleben, ein Ausbruch des Ätna, die Erschließung der Knospen und Blüten. Damit wurde wohl der schlagendste Beweis erbracht, daß das Laufbild trotz aller Einwendungen und gewiß mancher vorhandener Nachteile doch als ein hervorragendes Lehrmittel der Jetztzeit zu werten ist, was vom Herrn Direktor Julius Heinzel auch mit Recht in seinen Einleitungsworten zum Film betont worden ist. Die Versammlung war eines Lobes über diesen Abend und gewiß wird die von Herrn Direktor gemachte Mitteilung, daß er auch zur Vorführung anderer Lehrfilme die Elternschaft einzuladen gedenke, überall freudigstes Echo finden.

Klagenfurter Tagblatt, Nr. 51, 2. März 1930, Seite 4



Möllbrücke. (Kino für die Schuljugend.) Am 15. d. M. (Februar 1928) fand im Saale J. Fleischhackers eine Kinovorstellung für die Schüler von Sachsenburg, Mühldorf, Pusarnitz, Holz und Möllbrücke statt. Laut Beschlusses der Lehrerarbeitsgemeinschaft „Lurnfeld“ werden jeden Monat einmal Kinovorstellungen für die Schüler der obgenannten Schulen stattfinden. Die Kinounternehmung unter der Leitung des Herrn Edlinger unterstützt die Bestrebungen der Lehrerarbeitsgemeinschaft und sorgt für die Beschaffung einwandfreier Filme.

Klagenfurter Zeitung, Nr. 45, 24. Februar 1928, Seite 210




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